Ostermarsch Draussen 2026
(Eva)
Begrüßung BIFA, Bürgerinitiative für Frieden und Abrüstung (dieses Jahr feiern wir unser 50-jähriges Bestehen). In München findet alljährlich am Samstag vor Ostern der Ostermarsch in der Innenstadt statt und wir organisieren immer den Ostermarsch Draussen am Ostermontag und gehen häufig zu besonderen militärischen Einrichtungen außerhalb, in den letzten Jahren waren wir beispielsweise oft bei Rüstungsfirmen.
Motto für dieses Jahr:
Fliegerhorst – Luftwaffenschule – Jetzt auch noch Raketenabwehr?
Das Fragezeichen: Uns war bei Planung noch nicht klar, ob das Arrow 3 Raketenabwehrsystem tatsächlich nach Kaufbeuren kommt. Anfang März kam dann die Gewissheit.
Kleiner Exkurs zum Fliegerhorst Kaufbeuren für alle nicht Ortskundigen unter uns:
Der Fliegerhorst Kaufbeuren war unter Hitler 1935 im Zuge der Kriegsvorbereitungen gebaut worden und damals schon Luftwaffenschule, es wurde hier international ausgebildet (Spanier/Rumänen/Bulgarier) bis zu Beginn des Krieges 1939 und währenddessen.
Nach 1945 kamen die Amerikaner und nutzten den Fliegerhorst als Kaufbeuren Air Base. 1957 mit Gründung der Bundeswehr wurde der Fliegerhorst wieder an die Deutschen übergeben und wurde als Technische Schule der Luftwaffe der Bundeswehr weiterbetrieben, seit 2014 bekannt als „Technisches Ausbildungszentrum der Luftwaffe Außenstelle Süd“. Aber die Planung sah auch da schon einen Umzug der Außenstelle nach Lagerlechfeld vor, zuletzt für 2028 – zum Entsetzen einiger Kaufbeurer.
Im August 2019 kam dann der Beschluss des Bundesministeriums der Verteidigung, den Fliegerhorst als Ausbildungszentrum zu behalten. Der Generalinspekteur der Luftwaffe Ingo Gerhartz setzte sich für eine weiter bestehende Ausbildung für Tornado und Eurofighter ein, die jetzt bis 2028 geplant ist. Außerdem wird jetzt mit 100 Millionen Euro in den Standort investiert und die Aus- und Weiterbildung sämtlichen militärischen Flugsicherungspersonals der Bundeswehr soll hier stattfinden, auch an neueren Waffen wie Drohnen. Dazu kommt nun auch noch ein Sanitätsregiment und eine Feldjägerkompanie. Außerdem wird die vorher in Lechfeld stationierte Radargeräteausbildung und die vorher am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck befindliche Lehrmittelwerkstatt nach Kaufbeuren verlagert.
Und nun wird also ein Teil des Arrow3 Raketenabwehrsystems bis 2029 bei Kaufbeuren aufgestellt: Das Flugkörper-Radarsystem vom Typ Super Green Pine (sehr sensibles Frühwarn- und Feuerleitsystem), das anfliegende Raketen orten und die Abwehrraketen steuern kann.
Die Abwehrraketen selbst sollen dann an den Militärstandort Lechfeld kommen. Sicherheitshalber, nennt man im Militärjargon Dislozierung der Waffensysteme.
4 Milliarden Euro vom Sondervermögen sind für Arrow3 im Oktober 2023 vom Bundeshaushalt genehmigt worden, der größte Posten, sehr viel Geld. Arrow3 Systeme an drei Standorten in Deutschland sind vorgesehen. 90 km von Berlin am Fliegerhorst Holzdorf in Südbrandenburg wurde die erste Arrow3 installiert. Die anderen Standorte sollten zunächst geheim bleiben, das Verteidigungsministerium äußert sich dazu nicht. Aber die Lokalmedien berichten jetzt trotzdem von Kaufbeuren oder auch Lechfeld Nähe Augsburg. In Schleswig-Holstein soll die dritte Arrow3 Raketenabwehr stationiert werden.
Das Arrow 3 System wurde von dem Unternehmen Israeli Aerospace Industries in Partnerschaft mit Boing und unter Mitfinanzierung der USA entwickelt. Deshalb muss der Verkauf eines Arrow3 Systems von israelischer und amerikanischer Seite genehmigt werden. Generell zugestimmt wurde bereits im April 2022, im August 2023 offiziell auch von der amerikanischen Regierung unter Joe Biden. Bis 2030 soll das Arrow3 System an drei Standorten in Deutschland fertig aufgestellt und einsatzfähig sein.
Sehr viel Geld für was und gegen wen eigentlich? Was kann Arrow3, was die anderen Raketenabwehrsysteme Iris T und Patriot nicht können, die Deutschland bereits gegen Mittelstreckenraketen und Marschflugkörper einsetzen kann?
Die Arrow 3 Abwehrrakete wird einer anfliegenden Rakete, die dazu die Erdathmosphäre verlässt und in 100 km Höhe fliegt - um desto schneller und nicht mehr abzufangen auf das Ziel in der Erdathmosphäre zu treffen - entgegengeschickt und soll diese Rakete allein durch den Aufprall außerhalb der Erdathmosphäre zerstören und damit unschädlich machen. (Israel hat solche Arrow3 Raketen beispielsweise erfolgreich immer wieder bei Angriffen aus dem Iran eingesetzt).
Das Ministerium für Verteidigung verkündet, dass Deutschland mit diesem Raketenabwehrsystem rund um die Uhr Deutschland und seine Nachbarländer vor Angriffen von ballistischen Raketen schützen kann. Hierbei wird insbesondere an die russische Hyperschallrakete Oreschnik gedacht, die Putin im Krieg gegen die Ukraine im November 2024 erstmals und zuletzt im Januar 2026 eingesetzt hat. Man kann sie theoretisch mit Atomsprengköpfen bestücken.
Eine Arrow3 Abwehrrakete kann von 0,8 bis 4 Millionen Dollar kosten. Wir sehen jetzt bei den Amerikanern in ihrem Irankrieg, dass ihnen die Patriotraketen langsam ausgehen, die 1 Million das Stück kosten. Es ist absurd teuer, Kriege mit solchen Waffen zu führen.
Haben wir in Deutschland das Geld dafür? Nein! Die Schulden werden immer größer und es soll an anderer Stelle eingespart werden. Die letzten Vorschläge unserer Regierung zu Einsparungen im Gesundheitswesen sprechen eine deutliche Sprache. Hier soll am Menschen gespart werden: Zahnersatz aus dem Leistungskatalog streichen, die Familienversicherung abschaffen, Krankenhäuser schließen, dafür ambulante Versorgung in MVZs organisieren, die schon jetzt häufig Finanzinvestoren gehören. Die restlichen Krankenhäuser haben immer weniger Betten und ihr Personal erhält nun Kurse in militärischer Triage – in Berlin beginnen sie bereits damit. Denn was tun, wenn wir Kriege führen, uns aber die Krankenhausbetten fehlen, um die Verletzten zu behandeln. Militärische Triage meint, dass ein Soldat einem Zivilisten vorgezogen werden muss, um ihn so bald wie möglich wieder einsatzfähig zu machen für einen weiteren Kriegseinsatz.
Und nun werden die jungen Menschen in unserem Land wieder aufgerufen, in die Bundeswehr zu gehen. Aber es formiert sich Widerstand: „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft“ rufen die jungen Demonstranten, die schon zweimal zum bundesweiten Schulstreik gegen die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht aufgerufen haben. Am 08. Mai 2026 wird der nächste bundesweite Schulstreik kommen und zwei ihrer Sprecher haben die Friedensbewegung am Ostermarsch in München vergangen Samstag aufgefordert, sie dabei zu unterstützen. Bitte folgt dieser Aufforderung und schließt Euch den Protesten dieser jungen Menschen an. Ohne Soldaten keine Kriege!
Wir werden gleich loslaufen und auf unserem Weg durch die Stadt und auch am Fliegerhorst Kaufbeuren vorbeigehen. Dort können wir fröhlich unsere Friedensfahnen schwenken. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!