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Massaker an Kleinbäuer:innen in Honduras

2 Tage 5 Stunden ago

Verbrechen in einer Region mit Landkonflikten. UN-Menschenrechtsbüro und lokale Gruppen fordern Aufklärung und Schutz. Regierung kündigt mehr Polizei im Aguán-Tal an.

Von Daniela Dreißig in amerika21
Die Ermittlungen zum Massaker in Trujillo haben begonnen.Quelle:Ministerio Público Honduras
Trujillo. Am Donnerstagmorgen sind 19 Bauern:innen, unter ihnen drei Kinder, von Unbekannten auf der Finca Paso Aguán im nördlichen Department Colón erschossen worden. Die Getöteten, die auf dem Weg zur Arbeit in der Ölpalmenplantage waren, lebten in den Gemeinden Rigores und Panamá.

Im Laufe des Vormittags ereignete sich ein weiteres Massaker in der Stadt Omoa in der nördlichen Grenzregion zu Guatemala, bei dem mindestens fünf Polizeikräfte der Spezialeinheit gegen Bandenkriminalität und drei Zivilist:innen erschossen wurden. Laut honduranischen Medien handelte es sich um eine geplante Hausdurchsuchung gegen einen Drogenhändler, bei der die Polizisten jedoch von mehreren Kriminellen überwältigt und verschleppt worden seien. Ihre Leichen wurden in der Nähe von Omoa aufgefunden und wiesen Spuren von enormer Brutalität und Folter auf. Die Täter sind möglicherweise nach Guatemala geflohen.

Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte und nationale Menschenrechtsorganisationen fordern von den Behörden "eine schnelle, umfassende, unabhängige und unparteiische Untersuchung der Vorfälle, die Festnahme und Bestrafung der Verantwortlichen, sowie die Aufdeckung und Zerschlagung der in der Aguán-Region operierenden kriminellen Strukturen und Gewaltnetzwerke". Weiterhin fordern sie wirksame Schutzmaßnahmen für die Überlebenden, die Angehörigen der Opfer, betroffene Gemeinschaften und Menschenrechtsverteidiger:innen der Region.

Präsident Nasry Asfura versprach, dass diese Verbrechen nicht straflos bleiben würden. Gleichzeitig kündigte er an, Polizei und Militärpolizei in das Aguántal zu entsenden und deren Präsenz im Laufe der Ermittlungen noch zu verstärken.

Innenminister Gerson Velásquez sagte in einer Pressekonferenz: "Das Massaker in Colón weist Merkmale einer Hinrichtung auf, die mit kriminellen Strukturen in Verbindung steht und nicht mit einem Agrarkonflikt." Zudem schloss er vorläufig eine Beteiligung staatlicher Akteur:innen aus und erklärte, dass erst die technischen und wissenschaftlichen Ermittlungen den Sachverhalt aufklären und die Verantwortlichen ermitteln würden.

In einer Pressemitteilung der Agrarplattform (Plataforma Agraria), einem Zusammenschluss von bäuerlichen Genossenschaften, wird erklärt, dass seit Mai 2025 eine Welle der Gewalt ausgebrochen sei, die sie den bewaffneten Gruppen zuschreibt: der "Gruppe der Acht" und den "Canechos", zu deren Hauptopfern Bauern:innen aus den Dörfern Panamá und Rigores zählen. "Beide Gruppen haben sich darauf spezialisiert, die Bauerngenossenschaften zu erpressen und zu vertreiben", erklärt die Agrarplattform.

Gegenüber Radio Progreso äußert Jhony Rivas, Sprecher der Agrarplattform, dass die Eskalation der Gewalt im Aguán-Tal mit der Tendenz einhergehe, die Bauern:innen zu kriminalisieren, die ihr legitimes Recht auf Land einfordern. Er fügt hinzu, dass sie die Darstellung beunruhige, die die derzeitigen Behörden im Zusammenhang mit dem Schutz des Landes verbreiten. "Vor drei Tagen verbreiteten Medien die Nachricht, dass Menschen, die auf den Grundstücken der Genossenschaft Paso Aguán leben, ermordet worden seien; wir haben uns vor Ort umgehört, aber nichts weiter erfahren und es kam zu diesem Massaker. Es herrscht eine Atmosphäre großer Angst", sagt Rivas.

Tage vor dem Massaker wurde ebenfalls bekannt, dass die Bauern:innen von Angehörigen der Polizei schikaniert worden seien. Diese hätten auf sie geschossen, ihr Eigentum verbrannt und gestohlen sowie Drogen unter ihre Habseligkeiten gelegt. Laut eines Artikels in Prensa Libre und Informationen in sozialen Netzwerken sollen die Täter des Massakers zum Teil Polizeiuniformen getragen haben.

Auch die Vorsitzende des honduranischen Rates der Privatwirtschaft (Cohep), Anabel Gallardo, zeigte sich wegen der Gewalt und Landbesetzungen besorgt. Ihre Sorge galt allerdings in erster Linie der Beschädigung des Ansehens Honduras' gegenüber der internationalen Gemeinschaft und ausländischen Investoren und richtete ihren Fokus auf die Landbesetzungen. "Grundstücke mit gültigen Dokumenten, die sich in produktiven Zonen befinden, werden von Personen besetzt. Gefordert ist ein Handeln von Staatsanwaltschaft und Polizei, damit das Gesetz mit aller Härte durchgesetzt wird, um diese Grundstücke zu räumen."

Der Jesuitenpater Ismael Moreno sieht in den Verbrechen eine Verbindung zu den Aussagen des ehemaligen Präsidenten Juan Orlando Hernández, die kürzlich durch die Audios veröffentlicht wurden (amerika21 berichtete). "Die Gewalt, die in den Audios angekündigt und entfesselt wurde, ist keineswegs eine Fälschung, sondern eine blutige Spur", schrieb Moreno in seinem X-Account. In den Audios sagt Hernández im März 2026 zum Kongressvorsitzenden Tomás Zambrano: "In Honduras braucht es Gewalt, es braucht Logistik, es braucht Blut. Wenn du die Menschen kontrollieren willst, musst du sie unterdrücken. Sie ausbeuten. Gewalt mit Gewalt bekämpfen."

Der Anwalt und Menschenrechtsverteidiger Victor Fernández erklärt gegenüber amerika21: "Das Verbrechen kann nicht als gewalttätiger Disput zwischen Gruppen abgetan werden, denn der Staat hat eine klare Verantwortung darin. Die unklare Eigentumslage, das Fehlen eines verfassungsrechtlich vorgeschriebenen Landreformprozesses und die Bevorzugung mächtiger Wirtschaftsgruppen sind die strukturellen Ursachen dieses Verbrechens. Seit Beginn dieser Regierung ist ein Diskurs zu beobachten, der das Leben und den Kampf der Bauern:innen verachtet."

Das Aguán-Tal fällt seit Jahrzehnten durch Gewalt gegen Bauern:innen auf. Großgrundbesitzer:innen und agrarindustrielle Unternehmen, befördert durch eine Gesetzesreform im Jahr 1992, haben sich immer mehr Land angeeignet, um Ölpalmplantagen anzulegen, deren Früchte zur Produktion von Agrosprit verwendet werden. Nach dem Militärputsch im Jahr 2009 kam es zu einer massiven Militarisierung der gesamten Region. Immer wieder kam es zu Morden an den Mitgliedern der Bauernkooperativen. Auch der Ausnahmezustand unter der Vorgängerregierung Castro hat nicht zu einer Verbesserung der Gefahrenlage für die Bauern:innen geführt. Dazu kommt, dass in der Region kriminelle Banden agieren, die Drogen schmuggeln.

Delegation

Das verwaltete Versagen

3 Tage 6 Stunden ago
Am Anfang Ich schreibe diesen Text nach fast fünfzig Jahren in Deutschland. Einen Teil dieser Zeit arbeitete ich im Ausland; rückblickend glaube ich, dass mir genau diese Distanz half, manche Entwicklungen klarer zu sehen. Erstmals seit 1945 ist eine Partei (…)

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IMI

Milliarden für den Katastrophenschutz

5 Tage 4 Stunden ago
Das folgende Interview, das Gitta Düperthal mit IMI-Vorstandsmitglied Topias Pflüger führte, erschien am 20.5.2026 in der Tagezeitung junge Welt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat vor, am Mittwoch neue Milliardensummen für den Zivilschutz durch das Kabinett zu bringen. Dabei soll es um (…)

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IMI

Geleakte Audios über die USA und ein korruptes Machtnetzwerk in Honduras

6 Tage 5 Stunden ago

Verurteilter Ex-Präsident als Vermittler für US-Interessen. Auch Israel erwähnt. Plan gegen Mexiko und Kolumbien

Von Johannes Schwaebl in amerika21Tonaufnahmen stellen den verurteilten Ex-Präsidenten Hernández als Vertreter von Trump und der israelischen Lobby in der Region dar, um Honduras zu einem strategischen Standort für militärische, logistische und wirtschaftliche US-Operationen zu machenQuelle:KI-generiertes Bild, erstellt durch amerika21 am 18. Mai 2026 mit ChatGPT
Ende April veröffentlichten die spanische Onlinezeitung Diario Red und die Plattform Hondurasgate1 eine Serie von Artikeln und geleakten Sprachnachrichten, welche die Vorgehensweisen, Finanzierung und Vernetzung rechtskonservativer Akteure in Lateinamerika zwischen Januar und April 2026 offenlegen. Im Mittelpunkt steht der in den USA wegen Drogenhandels verurteilte und von US-Präsident Donald Trump begnadigte honduranische Ex-Präsident Juan Orlando Hernández. In den Tonnachrichten sprechen sich honduranische Politiker ab, Hernández erneut an die Macht zu bringen, politische Gegner mit Gewalt auszuschalten und durch gezielte Desinformation die progressiven Regierungen von Mexiko und Kolumbien zu destabilisieren.

Thema der Audios sind auch die Ausbreitung der Privatstädte (Zedes), der Aufbau einer Militärbasis und die Verabschiedung eines Gesetzes im Sinne der Interessen von KI-Konzernen. All das in Absprache mit dem US-Präsidenten und mit Unterstützung des israelischen Premierministers Benjamín Netanyahu. Auch die Regierung von Argentiniens Präsident Javier Milei sowie rechtskonservative Kreise in Mexiko werden in den Tonaufnahmen erwähnt.

Neben Hernández sind in den Audios unter anderem auch der aktuelle Präsident von Honduras, Nasry Asfura, die Vizepräsidentin María Antonieta Mejía und mehrere Mitglieder des Kongresses zu hören. Sie alle handeln laut den Aufnahmen auf Anweisung von Hernández, der laut den Aufnahmen die Kontrolle über die Staatsmacht zurückerlangen will.

Authentizität der Audios

Laut Hondurasgate wurden die 37 Aufnahmen aus Chats in WhatsApp, Signal und Telegram vor ihrer Veröffentlichung einer strengen forensischen Authentifizierung mit dem Programm Phonexia Voice Inspector unterzogen. Dabei wurde jede Datei mit einer Wahrscheinlichkeit der KI-Synthese von unter zehn Prozent und mit über 80 Prozent als authentische menschliche Sprache eingestuft. Das vollständige technische Dossier und die Originaldateien wurden öffentlich zugänglich gemacht, so dass jede Datei heruntergeladen und unabhängig verifiziert werden kann.

Weitere forensische Analysen zur hundertprozentigen Echtheit der Gesprächsaufzeichnungen stehen noch aus, weshalb diese in unterschiedlichen Kreisen angezweifelt werden. Wegen des brisanten Inhalts und des Profils der beteiligten Personen stellt sich auch die Frage, wer hinter dem Leak steckt und über die dafür notwendigen technischen und logistischen Kapazitäten verfügt.

Die Vorgänge der letzten Monate in Honduras stimmen allerdings mit den Tonaufnahmen überein. Unter diesem Blickpunkt erscheinen die geleakten Informationen wie eine Anleitung und Wegbeschreibung, die die Ereignisse in Honduras und Lateinamerika verbindet und eine koordinierte Operation der Reaktionären Internationale nachvollziehbar macht.

Die Begnadigung von Hernández durch Trump und die mutmaßliche Rolle von Israel

Ausgangspunkt der Vorgeschichte ist der November 2025. Nur wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen in Honduras verkündete Trump die Begnadigung von Hernández. Dieser war 2024 in den USA wegen Kokainschmuggels und der Annahme von Geldern von Joaquín "El Chapo" Guzmán zur Finanzierung von Wahlbetrug zu 45 Jahren Haft verurteilt worden. Die US-Staatsanwaltschaft warf Hernández vor, Honduras als "Drogenstaat" geführt und so die Einfuhr von mehr als 500 Tonnen Kokain in die USA ermöglicht zu haben. Mit der Begnadigung zeigte die Regierung Trump, dass sie ohne Skrupel mit verurteilten Drogenbossen kooperiert, sobald dies ihren Interessen entspricht.

In einer Sprachnachricht vom 14. März hört man Hernández, der sagt, dass seine Begnadigung von einer "Gruppe von Rabbinern und Personen, die Israel unterstützten", bezahlt worden sei. In einer weiteren Nachricht am 20. Januar versichert er, die Unterstützung des israelischen Ministerpräsidenten auch für die Zukunft zu haben: "Der israelische Premierminister wird uns unterstützen. Wir sind ihm sehr dankbar, sie hatten viel damit zu tun. Eigentlich hatten sie sogar vollständig mit meiner Freilassung und den Verhandlungen zu tun." Neben den Fragen nach der Beteiligung und den Interessen Israels stellt die Aufnahme die Begnadigung Hernández als einen Akt der Korruption dar.

Das investigative journalistische Portal Reactionary International schreibt: "Ein Mann, der wegen der Einfuhr von tonnenweise Kokain in die Vereinigten Staaten verurteilt worden war, kam nicht etwa wegen einer Neubewertung des Urteils frei, sondern weil eine ausländische Regierung seine Freilassung bezahlte. Die Begnadigung – eines der mächtigsten Instrumente der Exekutive im amerikanischen Verfassungssystem – war laut diesen Aufnahmen eine reine Transaktion."

Auch die Tatsache, dass der erste offizielle Besuch von Nasry Asfura im Januar, noch bevor er sein Amt als Präsident antrat, Israel galt, sei laut Reactionary International bezeichnend für die Rolle, die dieser Staat in Honduras spiele. Er traf sich dort mit Israels Präsident Isaac Herzog, Premierminister Benjamin Netanyahu und Außenminister Gideon Sa'ar. Anschließend reiste Asfura nach Washington, wo er mit US-Außenminister Marco Rubio, US-Handelsminister Howard Lutnick und anderen hochrangigen Vertretern der Trump-Regierung zusammentraf.

Der umstrittene Wahlsieg von Asfura

In Honduras konnte die nationale Partei, der Hernández angehört, durch die Begnadigung kurz vor den Präsidentschaftswahlen wichtige Stimmen gewinnen. Zudem sprach sich Trump auf seinem digitalen Netzwerk Truth Social ausdrücklich für den Kandidaten der nationalen Partei, Nasry "Tito" Asfura, aus und drohte mit der Einstellung von Hilfszahlungen, sollte dieser nicht gewählt werden. Asfura wurde schließlich mit weniger als einem Prozent Unterschied am 24. Dezember 2025 zum Gewinner erklärt. Wahlbeamte wie auch die scheidende Regierung unter Xiomara Castro zweifelten die Ergebnisse an (amerika21 berichtete).

Obwohl Asfura während des Wahlkampfes erklärte, er habe keine Verbindung zu Hernández, ermahnt dieser in einer Aufnahme vom 10. März Asfura mit den folgenden Worten: "Ich bin überzeugt, sie werden mich nicht im Stich lassen. Dank mir sitzen Sie auf diesem Stuhl. Präsident werde ich sein. Und ich erwarte Ihre Unterstützung. Denn genau so haben wir das mit Präsident Trump besprochen."

Kahlschlag gegen korruptionskritische Staatsfunktionäre

Um seine Rückkehr zu ermöglichen, weist Hernández in mehreren Nachrichten eine Vertreibungskampagne gegen politische Gegner an. Seit der Machtübernahme von Asfura Ende Januar 2026 wurden mehrere hohe Staatsbedienstete aus ihren Ämtern entfernt. Am 16. April entließ der Kongress mit 88 Ja-Stimmen den Leiter des nationalen Wahlrats, Marlon Ochoa, sowie Mario Morazán, Lourdes Maribel Mejía und Gabriel Gutiérrez aus dem Wahlgericht. Ochoa hatte Unregelmäßigkeiten im Wahlprozess von 2025 angeprangert. Zuvor, am 25. März, hatte die Säuberungswelle bereits Generalstaatsanwalt Johel Zelaya erreicht, und die Präsidentin des Obersten Gerichtshofs, Rebeca Raquel Obando, trat unter Druck zurück.

In einer Sprachnachricht vom 18. März übermittelt Hernández an Tomás Zambrano, den Präsidenten des Kongresses: "In Honduras braucht es Gewalt, es braucht Logistik, es braucht Blut. Wenn du die Menschen kontrollieren willst, musst du sie unterdrücken. Sie ausbeuten. Gewalt mit Gewalt bekämpfen. So lautet die Devise von Präsident Trump."

In einer Aufnahme vom 25. März bittet Hernández den ehemaligen Chef der Streitkräfte Romeo Vásquez Velásquez um eine Liste, um Personen zu lokalisieren. Vásquez, der 2009 den zivil-militärischen Putsch gegen Präsident Manuel Zelaya anführte, antwortet, dass er eine Gruppe in den Streitkräften hat, die bereit ist, eine Jagd zu beginnen.

Mehr Privatstäten, neue Militärbasis und KI-Geschäfte für US-Konzerne

In einer Sprachnachricht vom 10. Februar erklärt Asfura an Hernández: "Wir hatten bereits eine vertrauliche Sitzung mit Investoren, die die Erweiterung des Zede-Projektes in Roatan und in Comayagua sehr positiv sehen. Ein weiteres Projekt wie Palmerola2 werden wir in Roatan vorantreiben, in der Nähe von Prospera, eine Militärbasis, das ist schon vereinbart. Auch den interozeanischen Korridor werden wir an General Electric übergeben."

Die Zedes (Sonderzonen für Beschäftigung und Entwicklung), auch als Modell- oder Privatstädte bekannt, sind spezielle Zonen, die von privaten Unternehmen und Investoren verwaltet werden. Diese übernehmen unter anderem Aufgaben der Verwaltung, Sicherheit und Rechtsprechung. Hernández war einer der politischen Förderer der Zedes. Unter seinem Vorsitz setzte der Kongress 2012 vier Richter des Obersten Gerichtshofes ab, die das Projekt als verfassungswidrig einstuften, und verabschiedete 2013 das Gesetz der Zedes. Unter der Regierung Castros wurde das Projekt erneut als verfassungswidrig eingestuft, da es gegen die Souveränität des Landes verstoße (amerika21 berichtete).

Die am weitesten fortgeschrittene Zede ist Próspera auf der Insel Roatán. Investor ist unter anderem der Multimilliardär Peter Thiel, Begründer von PayPal und Palantir und enger Unterstützer von Donald Trump und des US-Vizepräsidenten J. D. Vance. Palantir hat millionenschwere Verträge mit dem Pentagon, dem US-Heimatschutzministerium und der Einwanderungsbehörde ICE abgeschlossen. Auch der Staat Israel soll Palantir-Software im Gazastreifen nutzen, um Informationen zu sammeln und militärische Ziele zu identifizieren.

Neben der Erweiterung der Zedes und dem Bau einer neuen US-Militärbasis soll laut Diario Red zudem in Honduras ein Gesetz zur Förderung von Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) verabschiedet werden. Aufträge sollen direkt an private US-amerikanische Unternehmen vergeben werden.

Als Gegenleistung für die Unterstützung Trumps soll Honduras in eine strategische Zone für US-amerikanische und israelische Militär-, Logistik- und Wirtschaftsoperationen umgewandelt werden, so Diario Red.

Über Jahrzehnte galt Honduras als wichtiges Operationszentrum der USA in Mittelamerika. Hernández setzte diese Politik, zuerst als Vorsitzender des Kongresses (2010 bis 2013) und später als Präsident (2014 bis 2022), fort, und war ein wichtiger Verbündeter Washingtons und Tel Aviv. 2015 erklärte Hernández: "So lange ich Präsident sein werde, wird Honduras Israel unterstützen." Im Jahr 2019 eröffnete seine Regierung ein Handels- und Diplomatenbüro in Jerusalem, und im Jahr 2021 verlegte die Regierung Hernández die honduranische Botschaft offiziell von Tel Aviv nach Jerusalem. Die Regierung von Xiomara Castro unterbrach diese Politik (amerika21 berichtete), stellte sich dem Einfluss der USA entgegen und kritisierte den durch Israel verübten Völkermord in Palästina.

Mexiko und Kolumbien ins Visier

Internationale Brisanz gewinnen die von Hondurasgate und Diario Red veröffentlichten Informationen, da in ihnen vom Aufbau eines Kommunikationsteams die Rede ist, um die progressiven Regierungen von Mexiko und Kolumbien anzugreifen. Laut aufgezeichneten Nachrichten zwischen Hernández, Asfura und Vizepräsidentin María Antonieta Mejía soll dies mit honduranischen Staatsgeldern und Zuwendungen der argentinischen Regierung von Javier Milei in Höhe von über einer halben Million Dollar finanziert werden. Das Ziel seien Medienkampagnen und die Streuung von Falschinformationen gegen die Ex-Präsidentin Castro, sowie ihren Ehemann, den ehemaligen Ex-Präsidenten Zelaya in Honduras, wie auch gegen die Regierungen von Gustavo Petro in Kolumbien und Claudia Sheinbaum in Mexiko.

Sowohl Sheinbaum als auch Petro haben zu den Veröffentlichungen Stellung bezogen. Sheinbaum machte auf das internationale Netzwerk der Rechten und deren Strategie der gezielten Verbreitung von Falschmeldungen aufmerksam und betonte, dass diese Art von Medienoperationen in Mexiko aufgrund der Volksnähe der Regierung keinen Erfolg haben werde. Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro äußerte sich kritisch gegenüber dem israelischen Premierminister. "Welchen Grund hat Herr Netanjahu, den ehemaligen Präsidenten von Honduras, einen bedeutenden Drogenhändler, freizukaufen, nur um die Regierungen Kolumbiens und Mexikos zu zerstören?"

Reaktionen der Presse und in der honduranischen Politik

Während alternative und investigative Medien den Fall weiter untersuchen und verbreiten, behandeln große Medien die Veröffentlichung weiter mit Vorsicht. El País und DW berichteten. Die etablierten US-Medien haben bisher fast vollständig geschwiegen oder nur am Rande berichtet. Auch in Honduras verschweigen die auflagenstärksten und der Oligarchie nahestehenden Medien bisher das Thema oder spielen es herunter.

Die nationale Partei in Honduras wies die Vorwürfe kategorisch zurück und spricht von Fälschungen und einer Desinformationskampagne der internationalen Linken. Der honduranische Kongress ordnete indes eine Untersuchung der Nachrichten durch ein Labor in den USA an, um deren Fälschung zu beweisen.

  • 1.Das Portal Hondurasgate hat nach der Veröffentlichung der Audios fast 40.000 Hackingversuche verzeichnet. Die Webseite ist daher nicht immer erreichbar (Anmerkung der Redaktion).
  • 2.Der US-Luftwaffenstützpunkt Soto Cano, auch bekannt als Palmerola, befindet sich seit 1982 in Honduras (A. d. R.)

Delegation

Sommerpause ...

1 Woche 2 Tage ago

Das "Aktionsbündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz" bereitet im Wesentlichen die ensprechenden Aktionen vor, d.h. es ist außerhalb dieser Kampagne in der Regel nicht eigenständig aktiv - dazu gibt es Andere, z.B. das Münchner Friedensbündnis und Partner- bzw. Mitgliedsgruppen oder unsere Unterstützer. Also für Aktuelleres in der Zwischenzeit am Besten dort schauen...

admin

Anwalt und Ärztin in Honduras stundenlang festgehalten

1 Woche 2 Tage ago

Hintergrund sollen Konflikte mit Unternehmen sein. Unterschiedliche Darstellungen des Vorfalls. Bewegung warnt vor Privatisierung "aller Güter"

Von Thorben Austen, Quetzaltenango in amerika21

Laut MADJ vertritt der Gemeindepräsident Matute die Interessen von Agrarunternehmen und stehe mit der aktuellen Regierung in VerbindungQuelle:Movimiento Amplio

San Francisco de Locomapa/San Pedro Sula. Der Rechtsanwalt Victor Fernández und die Ärztin Ligia Ramos sind in Honduras am Mittwochabend von einer Menschengruppe mehrere Stunden festgehalten und verbal bedroht worden. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe der Gemeinde Tribu San Francisco de Locomapa im Departamento Yoro. Das teilten beide auf einer Pressekonferenz am Donnerstag in San Pedro Sula im Norden von Honduras mit.

Bei den Aggressoren soll es sich um Anhänger von Jaime Matute gehandelt haben, aktuell Präsident der Gemeinde, der aber im Interesse von Agrarunternehmen handele, erklärte Fernández auf der Pressekonferenz. Der Vorfall ereignete sich, als Fernández und Ramos gegen 18 Uhr am Mittwochabend die Gemeinde aufsuchen wollten, um nach eigenen Angaben eine medizinische Brigade in der Region zu planen. Die Einwohner des Gebietes haben nur geringen Zugang zu medizinischer Versorgung, erklärte Ramos. Nach ihren Angaben habe es keine "körperliche, aber psychische Gewalt gegeben". Erst gegen 22 Uhr sei die Polizei vor Ort eingetroffen, habe aber statt die "Aggressoren festzunehmen" zunächst eine Registrierung des Fahrzeuges von Fernández verlangt, schrieb das Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia (Breite Bewegung für Würde und Gerechtigkeit, MADJ) am Mittwochabend.

Fernández ist Rechtsanwalt beim Anwaltsbüro Bufete Dignidad in San Pedro Sula, das verschiedene von Landkonflikten betroffene Gemeinden in der Region vertritt. Er beschuldigte die aktuelle Regierung, in die Vorgänge involviert zu sein. So sei Matute während des Vorfalls in permanentem Telefonkontakt gewesen, "so wie ich verstehe auch mit Personen aus dem Menschenrechtsbüro der aktuellen Regierung", erklärte Fernández auf der Pressekonferenz.

Matute stellte die Situation anders dar. Er sagte in einem Interview, Aktivisten des MADJ sei es "verboten, die Gemeinde zu betreten, weil diese für Spaltung der indigenen Gemeinde sorgen". Fernández und Ramos hätten unterschiedliche Angaben zum Grund ihres Besuchs gemacht. Zunächst hätten sie erklärt, "Freunde besuchen zu sollen, jetzt sagen sie, sie hätten eine medizinische Brigade geplant". Matute wirft außerdem die Frage auf, warum der Besuch "am Abend in der Dunkelheit" stattgefunden habe, und bestritt, Kontakte zu Agrarunternehmen zu haben, er sei "nur Präsident der Gemeinde".

In der Region um das Departamento Yoro im Norden von Honduras gibt es immer wieder Konflikte um Land, häufig zwischen Kleinbauern und Agrarunternehmen, die teilweise seit Jahrzehnten andauern und immer wieder Todesopfer fordern (amerika21 berichtete). Anwohner der Gemeinde Tribu San Francisco de Locomapa hatten erst im April öffentlich illegale Rodungen und daraus resultierende Bedrohungen in ihrem Gebiet kritisiert.

Ileana Morales, Mitglied der Nationalen Leitung der MADJ, sieht die Angriffe im Kontext der verschärften Politik des Extraktivismus unter der neuen Regierung von Nasry Asfura. "Unter Xiomara Castros Regierung wurden die Menschenrechte, die natürlichen Rechte und die territorialen Rechte nicht gestärkt; die Dynamik von Kriminalisierung, Mord und Vertreibungen blieb unverändert. Unter der jetzigen Regierung ist jedoch alles Öffentliche in Gefahr zu einem privaten Gut zu werden. Dasselbe wird mit Flüssen, Wäldern und Bodenschätzen geschehen. Sämtliche Ressourcen werden privaten Unternehmen und ausländischen Investoren zur Verfügung gestellt", erklärte sie gegenüber amerika21. 

Delegation

Plenum Friedensbündnis Mai 2026

1 Woche 3 Tage ago
Plenum Friedensbündnis Mai 2026 Rundbrief Zeit Mi., 05/20/2026 - 19:30 Ort EineWeltHaus admin-0 15. Mai 2026 - 16:52 Veranstalter Münchner Friedensbündnis
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München liest - aus verbrannten Büchern

2 Wochen 1 Tag ago
München liest - aus verbrannten Büchern Zeit So., 05/10/2026 - 10:00 Ort Königsplatz admin-0 10. Mai 2026 - 0:54 Veranstalter Institut für Kunst und Forschung, Wolfram P. Kastner, Peace Talk, Dr. Franz Klug ... une viele weitere Partner
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Wie konnte das denn passieren?

2 Wochen 2 Tage ago
Am Karfreitag 2026, mitten in den als besinnlich geltenden Osterfeiertagen, sorgte eine Meldung der Frankfurter Rundschau online für einen regelrechten Massenaufschrei: “Neue Wehrpflicht-Regel: Männer brauchen Ausreisegenehmigung”.1 Der § 3 des Wehrpflichtgesetzes (WPflG) besagt in den Absätzen 2 und 3, dass (…)

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IMI

EineWeltHaus - 78. Jahrestag der "Nakba"

2 Wochen 4 Tage ago
EineWeltHaus - 78. Jahrestag der "Nakba" Zeit Mi., 05/13/2026 - 19:00 Ort EineWeltHaus admin-0 7. Mai 2026 - 0:16 Veranstalter Palästina spricht München
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